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Allgemeines

Computer-Viren gehören zu den Programmen mit Schadensfunktionen. Als Schaden ist hier insbesondere der Verlust oder die Verfälschung von Daten oder Programmen von größter Tragweite. Solche Funktionen von Programmen können sowohl unbeabsichtigt als auch bewußt gesteuert auftreten.

Die Definition eines Computer-Virus bezieht sich nicht unmittelbar auf eine möglicherweise programmierte Schadensfunktion:

Ein Computer-Virus ist eine nicht selbstständige Programmroutine, die sich selbst reproduziert und dadurch vom Anwender nicht kontrollierbare Manipulationen in Systembereichen, an anderen Programmen oder deren Umgebung vornimmt.

Die Eigenschaft der Reproduktion führte in Analogie zum biologischen Vorbild zu der Bezeichnung "Virus". Die Möglichkeiten der Manipulation sind sehr vielfältig.

Besonders häufig sind das Überschreiben oder das Anlagern des Virus-Codes an andere Programme und Bereiche des Betriebssystems, wobei dies immer so geschieht, daß zunächst der Virus-Code und dann erst das ursprüngliche Programm ausgeführt wird.

Obwohl Computer-Viren prinzipiell bei jedem Computertyp und Betriebssystem denkbar sind, erlangten sie bei IBM-kompatiblen Personalcomputern (PC) die größte Bedeutung.

Bei den am meisten verbreiteten Betriebssystemen (MS-DOS, PC-DOS, DRDOS, NOVELL DOS etc.) wurden Ende 1999 weltweit rund 45000 Viren (einschließlich Varianten) gezählt. Entsprechend vielfältig sind weitere Merkmale und Eigenschaften.

Die Grundtypen von Computer-Viren sind:

Boot-Virus

Der Virus befindet sich im Boot-Sektor einer Diskette bzw. Festplatte oder im Partition-Record (auch Master-Boot-Record oder Partition-Sektor genannt) einer Festplatte. Der Virus wird durch einen Kalt- oder Warm-Start (bzw. bei Daten-Disketten auch erfolglosem Boot-Versuch) aktiviert.

File-Virus

Der Virus ist in einem Programm (Wirtsprogramm) enthalten und wird durch Aufruf dieses Programms aktiviert.

Makro-Virus

Während sich die vorgenannten Viren anstelle von Programmcode einnisten, benutzen Makro-Viren Steuersequenzen von Daten-Dateien als Wirt. Moderne Programme erlauben es, häufig benötigte Steuerinformationen, z.B. zum Layout von Texten, mittels einfach erlernbarer Programmiersprachen zu erstellen. Dies kann zur Programmierung von Computer-Viren mißbraucht werden, die beim Arbeiten mit den Daten-Dateien automatisch ablaufen. Sofern die Hauptprogramme auch für andere Betriebssysteme als MS-DOS angeboten werden, können auch die damit programmierten Viren plattformübergreifend arbeiten. Makro-Viren haben in den letzten Monaten starke Verbreitung gefunden.

Schäden durch Computer-Viren

Computer-Viren verursachen in der Bundesrepublik Deutschland jährlich Schäden in dreistelliger Millionenhöhe - mit steigender Tendenz.

Die Schäden lassen sich verschiedenen Bereichen zuordnen:

Beabsichtigte, programmierte zerstörerische Schadensfunktionen.
Unbeabsichtigte Seiteneffekte bei angeblich harmlosen "Scherz-Viren".
Inanspruchnahme von Speicherplatz im Haupt-speicher und auf Datenträgern.
Materieller und personeller Aufwand beim Suchen und Entfernen.
Zusätzlich zu ergreifende organisatorische Ab-wehr-Maßnahmen.
Panik-Reaktionen von Anwendern.
Verunsicherung der Anwender.

Quellen der Viren-Verbreitung

In Werbeanzeigen von Software-Herstellern und auch in sonstigen Veröffentlichungen wird als Hauptquelle der Computer-Viren immer wieder die Raubkopie angegeben. Eine Analyse der beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik eingehenden Meldungen zeigt hingegen, daß andere Quellen viel häufiger sind:

Original-Software,
vorinstallierte Geräte,
Wartungs- und Service-Personal,
Anwender.

Vorbeugende Maßnahmen

Regelmäßig Datensicherung durchführen.
Sicherheitskopien von Datenträgern sicher aufbewahren.
Schreibschutz bei allen Disketten setzen, auf die nicht geschrieben werden muß (dies gilt insbesondere für die meisten Programm-Disketten).
Aktuelle Viren-Schutzsoftware verwenden.
Alle ein- und ausgehenden Datenträger auf Viren überprüfen.
Ausgehende Datenträger mit Schreibschutz versehen.
Vorinstallierte Neugeräte und gewartete Geräte auf Viren überprüfen. Ebenso Programme über andere Datenkanäle bei Ein- und Ausgang auf Viren überprüfen.
(z.B. Mailbox oder internationale Computernetze)
Notfall-Diskette erstellen.
Boot-Reihenfolge im CMOS-RAM auf "C:,A:" einstellen ("Erweitertes Setup").
Mehrere Partitionen (logische Laufwerke) im Rechner einrichten.
Computer und Datenträger vor unbefugter Benutzung schützen.
Mitarbeiter über Computer-Viren schulen.
Verfahrensweise bei Verdacht des Viren-Befalls vorher klären.

Verhalten bei Befall

Bei Verdacht auf Virus-Befall Arbeit wie gewohnt beenden.
Keine Panik!
Computer ausschalten.
Unerfahrene Anwender sollten einen Fachmann zu Rate ziehen, z. B. Benutzerdienst.
Von virenfreier, schreibgeschützter System-Diskette booten.
Mit aktuellem Viren-Suchprogramm die Festplatte untersuchen; dabei ein Protokoll erzeugen.
Datensicherung durchführen (falls nicht vorhanden).
Virus von Festplatte entfernen.
Mit Viren-Suchprogramm die Festplatte erneut überprüfen.
Alle anderen Datenträger (Disketten, CD-ROM, Wechselplatten) auf Viren-Befall untersuchen und Viren entfernen.

Versuchen, die Quelle der Viren-Infektion festzustellen - wenn erfolgreich, anschließend:

bei Programm-Disketten: Hersteller und BSI informieren.
bei Daten-Disketten: Ersteller der Diskette informieren.
Andere Benutzer warnen (wenn Disketten-Austausch von infiziertem Rechner erfolgte).

 

Glossar:

Programm mit Schadensfunktionen ( malicious software )

Alle Arten von Programmen, die verdeckte Funktionen enthalten und damit durch Löschen, Überschreiben oder sonstige Veränderungen unkontrollierbare Schäden an Programmen und Daten bewirken und somit zusätzliche Arbeit und Kosten verursachen oder Vertraulichkeit und Verfügbarkeit von Daten oder Programmen negativ beeinflussen.

Trojanisches Pferd

Selbständiges Programm mit einer verdeckten Schadensfunktion, ohne Selbstreproduktion.

Wurm

Selbständiges, selbstreproduzierendes Programm, das sich in einem System (vor allem in Netzen) ausbreitet.

Residenter Virus

Virus, der nach Aktivierung bis zum Ausschalten des Rechners im Hauptspeicher aktiv bleibt.

Selbstverschlüsselnder Virus

Virus verschlüsselt (kryptiert) seinen Code mit festem oder wechselndem Schlüssel.

Tarnkappen-Virus (Stealth-Virus)

Residenter Virus, der seine Anwesenheit im infizierten System durch Manipulation des Betriebssystems zu verbergen versucht.

Viren-Suchprogramm (Scanner)

Programm, das bei Aufruf Datenträger, Systembereiche, Unterverzeichnisse oder Dateigruppen und einzelne Dateien nach bekannten Viren durchsucht. Dies geschieht entweder mittels fester Zeichenfolgen (Signaturen), spezieller Algorithmen oder heuristischer Verfahren.

Polymorpher Virus

Virus, dessen Code durch unterschiedliche Reihenfolge und Verwendung von Maschinenbefehlen (bei gleicher Wirkung) gekennzeichnet ist.

Prüfsumme

Die Veränderung von Programmen oder Systembereichen kann entdeckt werden, indem nach speziellen mathematischen Verfahren (Der übliche Begriff "Summe" ist nicht ganz korrekt) die Anordnung und der Inhalt der gespeicherten Befehle in einer wesentlich kürzeren Form als im Programm selbst in einer Datei erfaß und periodisch, z.B. bei jedem Aufruf des Programmes, mit den gespeicherten Werten verglichen wird. Auf diese Weise kann man Veränderungen finden, die z.B. von neuen Viren herrühren, allerdings erst nach einer Infektion.

 

Quelle: Bundesministerium für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)

 

 

 



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