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Datenschutz & Hosting Schul-IT & DigitalPakt 24.09.2025 · 6 Min. Lesezeit

BelWü war nie für Schulen gedacht – und jetzt ist es offiziell vorbei

Jahrzehntelang nutzten tausende Schulen in Baden-Württemberg die Infrastruktur des Hochschulnetzes BelWü. Seit 2021 werden diese Dienste schrittweise abgeschaltet – aus vergaberechtlichen, steuerlichen und kapazitären Gründen. Was Schulen jetzt wissen müssen.

Für viele IT-Verantwortliche an Schulen in Baden-Württemberg war BelWü jahrelang eine Selbstverständlichkeit: günstiger Internetzugang, Moodle, E-Mail, Webhosting – alles aus einer Hand, zuverlässig und preiswert. Dass dieses Angebot auf tönernen Füßen stand, war den wenigsten bewusst. Denn BelWü war nie für Schulen konzipiert.

Seit 2021 werden alle schulbezogenen Dienste des Hochschulnetzes schrittweise abgeschaltet. Was steckt dahinter – und was kommt jetzt?


Was BelWü ist – und was es nicht ist

BelWü steht für Baden-Württembergs extended LAN und wurde 1987 gegründet – als erstes regionales IP-Netzwerk außerhalb der USA. Betreiber ist die BelWü-Koordination an der Universität Stuttgart, finanziert vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK).

Die primäre Zielgruppe war immer klar: die neun Landesuniversitäten, Fachhochschulen, die Duale Hochschule und Forschungseinrichtungen. Das Netz verbindet rund 100 wissenschaftliche Institutionen mit Bandbreiten von bis zu 100 Gbit/s und ist direkt mit dem Deutschen Forschungsnetz (DFN) sowie dem europäischen Wissenschaftsnetz GÉANT verknüpft.

Schulen waren über Jahrzehnte als Zusatznutzer geduldet – nicht als Kernanwender. Das war der entscheidende Unterschied, der lange übersehen wurde.


Warum Schulen das Netz verlassen müssen

Die Entscheidung wurde ab 2021 offiziell kommuniziert. BelWü selbst nannte drei Hauptgründe:

1. Vergaberechtliche Änderungen ab 2023

Die dauerhafte Bereitstellung von IT-Dienstleistungen durch ein Hochschulnetz an Schulen ist vergaberechtlich problematisch: BelWü konkurrierte damit auf einem Markt, auf dem kommerzielle Anbieter tätig sind – ohne Ausschreibung. Das ist nach europäischem Vergaberecht nicht haltbar.

2. Steuerrechtliche Problematik

Die Erbringung wirtschaftlicher Leistungen für einen Kundenkreis außerhalb des hoheitlichen Aufgabenbereichs löst steuerrechtliche Fragen aus. Für eine wissenschaftliche Einrichtung, die Schulen mit kommerzialisierbaren IT-Diensten versorgt, sind die umsatzsteuerlichen Konsequenzen erheblich.

3. Kapazitäts- und Ressourcengründe

Die wachsenden Anforderungen der Hochschulen – insbesondere durch Forschungsdaten, KI-Infrastruktur und steigende Bandbreitenbedarfe – machen eine Konzentration auf den wissenschaftlichen Kernauftrag notwendig. BelWü formulierte es direkt: Die primären Dienste im hoheitlichen Bereich wären gefährdet, weil technische Kapazitäten des Rechenzentrums sonst anderweitig gebunden wären.


Was wann abgeschaltet wurde

Die Abschaltung erfolgte gestaffelt – ein Zeitplan, der für viele Schulen den Übergang erheblich erschwerte:

Dienst Abschaltdatum
DSL/Kabel-Internetanbindung (päd. Netz + KISS) 31. Juli 2022
Webhosting, Wikis, NextCloud, eigene Moodle-Instanzen Okt. 2021 – Feb. 2023 (gestaffelt)
File Exchange Service (FEX) Ende Schuljahr 2021/22
Moodle-Hosting (zentrale BelWü-Landeslösung) 30. Juni 2024
Jugendschutzfilter 31. Dezember 2024
E-Mail-Konten für Schulen Sept. 2024 – Aug. 2025 (wochenweise gestaffelt)
Domains schule-bw.de / bw.schule.de 1. Dezember 2025

Schulen wurden außerdem aufgefordert, BelWü-Router bis zum 31.07.2022 aus dem Netz zu entfernen und zurückzusenden oder fachgerecht zu entsorgen.


Die politische Kontroverse

Die Entscheidung war alles andere als unumstritten. Es gab eine Petition an den Landtag, Protestbriefe von Schulleitungen und eine breite mediale Debatte. Kritiker warfen dem Land vor, eine gewachsene, funktionierende Infrastruktur ohne ausreichende Übergangslösungen abzureißen – während die Nachfolgelösung noch nicht fertig war.

Besonders schmerzhaft: Die Kosten für Alternativanschlüsse über Komm.ONE (KVN) waren für viele Schulen drastisch höher als die bisherigen BelWü-Gebühren. In Einzelfällen wurden Kostensteigerungen um den Faktor 16 berichtet – monatlich bis zu 1.400 Euro für Glasfaserleitungen, die über BelWü nahezu kostenlos waren.


Was jetzt kommt: Die offiziellen Alternativen

SCHULE@BW – die Digitale Bildungsplattform des Landes

Das Kultusministerium Baden-Württemberg hat als zentrale Nachfolgelösung die Digitale Bildungsplattform SCHULE@BW aufgebaut, betrieben durch BITBW (Landesoberbehörde IT Baden-Württemberg) und IBBW (Institut für Bildungsanalysen). Die Plattform ist modular aufgebaut:

  • Modul 1 – Unterricht & Lernen: Moodle BW und itslearning als Lernmanagementsysteme, jeweils mit BigBlueButton-Videokonferenz und Collabora Office
  • Modul 2 – Sichere Kommunikation: Threema.Work als DSGVO-konformer Messenger
  • Modul 3 – Digitaler Arbeitsplatz: E-Mail, Dateispeicher, kollaboratives Arbeiten
  • Single Sign-On (SSO) über ein zentrales Identity- und Access-Management

Komm.ONE (KVN) für die Schulverwaltungsanbindung

Die Anbindung an das Schulverwaltungsnetz erfolgt über das Kommunale Verwaltungsnetz (KVN) des kommunalen IT-Dienstleisters Komm.ONE. Alternativ ist auch Vodafone über den KISS-Anschluss möglich. Beide Lösungen sind deutlich teurer als die frühere BelWü-Anbindung.

paed.ML des LMZ für das schulinterne Netz

Das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (LMZ) bietet mit paed.ML (Pädagogische Musterlösung) eine offizielle Infrastrukturlösung für das schulinterne pädagogische Netzwerk: Netzwerkmanagement, Benutzerverwaltung, Jugendschutzfilter, MDM-Integration (Relution) und Schnittstellen zu Moodle.

Webhosting & Maildienste – speziell für Schulen

Für Schulen, die eine eigene Website oder schulspezifische E-Mail-Adressen benötigen, bieten wir eine weitere Alternative: Auf unserem eigens für den DigitalPakt Schule bereitgestellten Server – gehostet in einem zertifizierten Rechenzentrum in Würzburg – stellen wir Webhosting und Maildienste ausschließlich für Schulen zur Verfügung. Der Server steht in Deutschland, unterliegt ausschließlich deutschem Datenschutzrecht und erfüllt die DSGVO-Anforderungen, die im Schulbetrieb gelten. Keine US-Cloud, kein geteilter Consumer-Hosting-Tarif.


Was das für Schulen in der Praxis bedeutet

Der Abschied von BelWü ist kein freiwilliger Schritt, sondern eine strukturelle Notwendigkeit. Die gute Nachricht: Mit SCHULE@BW gibt es eine zentral gepflegte, datenschutzkonforme Nachfolgelösung, die langfristig stabiler aufgestellt ist als die improvisierte BelWü-Nutzung der vergangenen Jahrzehnte.

Die eigentliche Herausforderung liegt aber woanders: in der lokalen Netzwerkinfrastruktur und der eigenständigen digitalen Außendarstellung der Schule. Eine Lernplattform in der Cloud nützt nichts, wenn im Schulgebäude das WLAN instabil ist, Funklöcher in Klassenzimmern existieren oder Access Points unter der Last von 30 gleichzeitigen Tablets in die Knie gehen. Und ohne eigene Website und schulspezifische E-Mail-Adressen bleibt die digitale Identität der Schule auf der Strecke.

Genau an beiden Punkten setzen wir an:

  • Netzwerkinfrastruktur: Wir planen, installieren und dokumentieren WLAN und Netzwerke für Schulen – kompatibel mit SCHULE@BW, paed.ML und MDM-Systemen, DigitalPakt-fähig.
  • Webhosting & Mailhosting für Schulen: Auf unserem eigens für den DigitalPakt Schule bereitgestellten Server – Rechenzentrum Würzburg, deutsches Datenschutzrecht, DSGVO-konform – betreiben wir Websites und E-Mail-Postfächer ausschließlich für Schulen. Kein geteilter Consumer-Tarif, kein US-Anbieter, kein Kompromiss beim Datenschutz.

Sprechen Sie uns an – wir kennen die Anforderungen, die DigitalPakt-Förderkulisse und die technischen Fallstricke des Übergangs aus der täglichen Praxis.

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